Giersch – zum (fr)essen gern

Fragt man einen (Hobby-)Gärtner nach Giersch, wird er vermutlich erst einmal stöhnen oder sogar die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn Giersch ist wohl eines der hartnäckigsten und meist gehassten (Un-)kräuter.

Foto (c) heidrun lutz "junger Giersch"

Richtig ist, es wuchert besonders an schattigen und eher feuchten Stellen immens. Die vielen langen verzweigten Wurzelausläufer machen es in der Tat schwer, dem Grünen „Monster“ Herr zu werden.

Bevor man dem ungeliebten Wildkraut jedoch versucht den Garaus zu machen, möchte ich einmal die guten Seiten des Giersch beleuchten. Ihr glaubt nicht, dass Giersch auch gute Seiten hat? Na, dann lest unbedingt weiter.

Doch zuerst ein kleiner Steckbrief: Aegopodium podagraria gehört zu der Gruppe der Doldenblüten-
gewächse, ist mehrjährig und kann bis ca. 90 cm hoch werden (je nach Standort und Nährstoff-
angebot). Die weißen Dolden-
blüten erscheinen etwa ab Mai. Die Blüte kann bis in den Juli andauern. Wie schon erwähnt, man findet den Giersch vor allem an eher schattigen und leicht feuchten Stellen. Wie zum Beispiel am Waldrand, in Hecken und Gebüschen. Und eben auch im Garten, hier besonders gerne auf nährstoffreichen Böden.

Nun zu den guten Seiten des Giersch.

Giersch zum (fr)essen gern haben …

Aus Giersch lässt sich Salat, Spinat, grüner Smoothie oder eine grüne Suppe zubereiten. Auch im (Wild-)kräuter- Quark, in würzigen Pfannkuchen macht er eine gute Figur. Entweder solo oder zusammen mit anderen wilden oder „zahmen“ Kräutern und Salaten.

Ein Rezept zum probieren: Giersch-Pfannkuchen (Für 2 Personen)

Zutaten: 200 g Mehl, 2 Eigelb, ein guter ¼ Liter Milch, Salz, 2 Eiweiß, 4 Eßl. Junge Gierschblätter (gewaschen und feingeschnitten – am besten mit einem großen, scharfen Messer), Öl zum Backen.

Zubereitung: Alle Zutaten – außer Eiweiß und Giersch – gut verrühren und den Teig etwa eine halbe Stunde ruhen lassen. Dann die Gierschblätter unterrühren. Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterziehen. Im heißen Fett Pfannkuchen goldbraun backen. Lecker dazu ist ein Joghurtdip (mit Knobi) oder ein frischer Salat (mit Wildkräutern, gerne auch Giersch).

Heilsamer Giersch

In alten Kräuterbüchern wird davon berichtet, dass Giersch unter anderem für Umschläge bei Gicht verwendet wurde und als Tee bei Ischias und Rheuma.  In der Volksmedizin galt der Giersch ebenfalls als Heilmittel bei Gicht sowie bei Durchfall und als Wundmittel wurde er ebenfalls verwendet. Heute findet Giersch jedoch keine Verwendung mehr. Dafür aber umso mehr in der Wildkräuterküche.

Foto (c) heidrun lutz "Giersch"

Wächst Euch der Giersch in Eurem Garten allzu üppig und ihr kommt mit dem Aufessen nicht nach 😉 dann steckt am besten mit einem Spaten einen Bereich ab, in der Giersch wachsen darf. Baut eine Wurzelsperre z.B. aus alten Plastikplatten oder was ihr eben gerade zur Verfügung habt,  drum herum – je tiefer umso besser und schneidet ihn vor der Blüte, damit er sich nicht zusätzlich zu den Wurzelausläufern auch über den Samen vermehrt.

Alles was außerhalb des geduldeten Gierschbereichs wuchert, lockert ihr am besten tiefgründig mit der Grabgabel und zieht vorsichtig die Wurzelstücke heraus. Je gründlicher ihr arbeitet umso eher bekommt ihr den Wucherer in den Griff. Wenn ihr dann hin und wieder das Procedere wiederholt, wird nicht mehr viel übrig sein und ihr könnte ihn vielleicht sogar nahezu ganz loswerden – so ihr das denn wollt.

Etwas Zeit lässt sich sparen, indem man eine dunkle Mulchfolie einige Zeit auf dem zu befreienden Bereich legt. So findet ihr schneller die Wurzel-Kindel und könnt Sie nach dem Lockern relativ leicht herausziehen – wie oben beschrieben.

Tipp: Giersch im Topf

Wer keinen Giersch im Garten hat (oder haben möchte), aber gerne einmal das Wildkraut versuchen will, empfehle ich die Kultur im Topf. So hat er keine Chance sich auszubreiten und vielleicht sogar den Nachbarn zu ärgern. Er lässt sich ja ganz easy mit einem Wurzelstückchen oder Samen kultivieren.

Ach ja, Giersch ist auch gut für die Fitness: Das kontinuierliche Jäten hält fit 😉

Und, habe ich zu viel versprochen? Gar nicht so übel der Giersch, oder?

Advertisements

8 Gedanken zu “Giersch – zum (fr)essen gern

  1. Liebe Heidrun,

    ein sehr schöner Artikel, danke! Ich komme immer gerne auf Deine Seite, und freue mich, wie schön Du die Schätze unserer Natur in Szene setzt:-))

    Seltsam, dass es noch jemanden gibt, der sich auf mit strahlenden Augen auf das „Unkraut“ wirft, um es zu verspeisen, während andere Kopf schüttelnd versuchen, die wahren Schätze der Natur auszulöschen.

    Ganz liebe Grüße

    Ellen

    1. Hallo liebe Ellen,

      danke, freut mich, wenn Dir der Beitrag gefällt 🙂

      Es ist mir eine Herzenzangelegenheit, gerade die oft unbeachteten Kräutlein ein wenig mehr ins Rampenlicht zu rücken. Und ihre interessanten und nicht selten auch gesunden und/oder leckeren Seiten zu zeigen.

      LG, Heidrun

  2. Liebe Heidrun,
    In meinem Garten wächst Giersch ohne Ende. Nachdem ich ihn erst verfluchte, hab ich ihn mir inzwischen zum Freund gemacht. Er gehört inzwischen zum „Standardgrün“ in meiner Küche und es lassen sich wunderbare Gerichte damit zaubern. Kürzlich habe ich in meinem Blog welche vorgestellt.
    Ich freue mich, soeben Deine Seite entdeckt zu haben, Du berichtest interesaante Dinge.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    Herzliche Grüße von Joona

    1. Liebe Joona,

      wie schön zu lesen, dass es noch mehr Giersch-Fans gibt 🙂 Ja, in der Tat es lässt sich einiges damit machen! Und, gesund ist es auch noch. Schaue mir gleich mal Deinen Blog an.

      Danke für das Lob und auch Dir ein schönes Wochenende,
      herzliche Grüße, Heidrun

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s