Es lebe die Vielfalt!

Und, damit meine ich nicht „nur“ die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere im allgemeinen, die unser Leben bereichern. Sondern auch die Geschmacksvielfalt unserer heimischen Früchte, insbesondere der Äpfel, auf die ich heute einmal eingehen möchte.

Jeden Tag komme ich – auf unseren Gassirunden – an einigen Apfelbäumen vorbei. Allesamt schon betagte Bäume mit Apfelsorten, die heute kaum oder gar nicht mehr bekannt sind. Auch ich kenne mich leider nicht so gut aus, dass ich sagen könnte, dieser Apfel ist der XY und dieser der XX …

Aber das ist mir auch nicht so wichtig, viel wichtiger bzw. interessanter ist es, dass jeder der vier Bäume an denen ich regelmäßig vorbeikomme, andere Sorten trägt, jeder Apfel anders aussieht und schmeckt. Da wäre – ich nenne ihn mal Baum 1 -, der regelmäßig jedes Jahr Unmengen an Früchten hervorbringt, so dass sich die Äste unter der Früchtelast bis auf dem Bogen biegen. Die Früchte sind knackig rot, sind saftig und mit einem feinen Aroma. Nicht zu süß, nicht zu sauer und auch gut zum Backen.

Dann wäre da der Baum 2 auf der Pferdeweide, die Äpfel sehen zwar ähnlich aus, sind auch eher klein und überwiegend rot aber etwas „einfacher“ im Geschmack. Sie ergeben einen tollen rosa Apfelmus. Baum 3 bietet mittelgroße Äpfel, längs gestreift, überwiegend gelb mit einem Hauch Rot. Sind sehr saftig mit einem ganz feinen ausgewogenen Süße-Säure-Aroma, die ich besonders gerne mag.

Und dann wäre da noch Baum 4, ein ziemlich verkrüppelter, krummer Baum-Opa, der trotz seines offensichtlich hohen Alters jedes Jahr immer noch eine ordentliche Menge Äpfel produziert. Die Äpfel sind überwiegend von mittlerer bis großer Größe, ich habe schon einen Apfel gefunden, der satte 500 g wog! Wobei das schon eine Ausnahme war. Die Früchte sind extrem knackig, mittelsaftig, mit mehr Säure als die Früchte der drei anderen beschriebenen Bäume. Einfach köstlich. Mein Favorit unter den vier Sorten und sie lassen sich lange lagern. Mit der Zeit werden sie weicher und etwas mehlig und sind dann besonders gut für Apfelmus oder auf dem Kuchen geeignet.

Laune der Natur, Äpfel, groß, kleinEs ist wirklich schade, dass in den Supermärkten und auch im Bioladen, immer nur die selben „verdächtigen“ Sorten zu kaufen sind. Manche sind durchaus gemschacklich o.k., aber es gibt auch Sorten, die einfach nur fade schmecken und bestenfalls entfernt an Äpfel erinnern. Zumindest finde ich das –  langweilig.

Ich wünsche mir, dass nicht nur krumme Gurken und Möhren wieder den Weg in die Märkte finden, sondern endlich auch alte und seltene Apfel- und Birnensorten und gerne auch mehr alte Gemüsesorten. Weg von dem „Einheitsbrei“. – Immerhin, hin und wieder findet man auch mal „andere“ Tomatensorten, Pastinaken oder ganz vereinzelt auch mal Quitten im Markt. Da fällt mir ein, der Kürbis mit seinen div. Sorten hat es ja auch geschafft. Lange zeit war er ja völlig aus dem Märkten verschwunden. – Es lebe die Vielfalt!

In diesem Sinne, einen schönen, vielfältigen Sonntag 🙂

Zum Schluss noch ein paar interessante Links zum Thema (Arten-)Vielfalt:

GEO-Tag der Artenvielfalt
Biodiversität erhalten: umdenken und durchstarten
Vielfalt erleben
Slow Food

Alte Apfel- und andere Obstsorten gibt es z. B. bei:www.baumschule-brenninger.de/
Culinary Misfits

PS: Übrigens auch Philo (siehe Foto oben), unser Labrador weiß die leckeren Äpfel zu schätzen, er „jagt“ sich fast täglich einen der heruntergefallen Äpfel und ist immer ganz traurig, wenn plötzlich keine mehr zu finden sind … Entweder wird die „Beute“ gleich gefuttert oder er trägt ihn nach Hause und ich reibe ihn in sein Futter. Der Hund weiß was gesund ist 😉 Ganz im Sinne von: „An apple a day keeps the doctor away.“

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12 Gedanken zu “Es lebe die Vielfalt!

  1. Da kann ich nur zustimmen. Besonders ärgerlich finde ich, daß in den „gängigen“ Gartenkatalogen Apfelbaumsorten passend zu den „üblichen“ Supermarktäpfeln angeboten werden, obwohl die nur für scheckheftgepflegten Erwerbsanbau taugen.
    Ich war tagelang in Trauer, als es meinen alten Gravensteiner-Hochstamm umgeweht hatte, jetzt muß ich ein paar Jahre warten, bis sein Nachfolger soweit ist.

    1. Ja, ich nenne so etwas Leute veräppeln im wahrsten Sinne des Wortes!

      Gravensteiner kenne ich. Ein wirklich köstlicher Apfel. Ich habe zwar zurzeit keinen Garten aber wir haben noch eine Obstwiese. Dort wächst zum Beispiel der Danziger Kantapfel, auch ein wunderbar aromatischer Apfel und der „… Krumstiel irgendwas“, auch super lecker, Boskop und ein paar Unbekannte ;-).

      Ich drücke dir die Daumen, dass der neue Gravensteiner bald soweit ist und dir leckere Früchte liefert! LG, Heidrun

  2. Danke für die informative Post. Es ist traurig, wie die Vielfalt immer mehr schwindet und 3-4 gängigen Allerweltssorten Platz macht, die nur auf Aussehen und Haltbarkeit hin gezüchtet wurden. Gestern auf dem Kastanienfest wurden lauter alte, lokale Apfelsorten vorgestellt. Es waren wohl 60-80 Sorten, und ich konnte es nicht fassen. Toll, wenn sich -wie hier- eine Gruppe von Enthusiasten für deren Erhalt einsetzt.

    1. Gerne! Ja, es ist traurig, wie alles zu einem langweiligen Einheitsbrei vermanscht wird. Aber es ist schön zu sehen, dass auf der anderen Seite auch immer mehr Menschen sich für den Erhalt alter Sorten und Haustierrassen einsetzen. Sie hegen, pflegen, bewahren und wo möglich zurückzüchten. Wie z.B. das hier in der Region früher weit verbreitete Rote Höhenvieh. Es wurde als Fleischlieferant, Milchliefrant und als Zugtier sehr geschätzt. Hübsch aussehen tun sie auch noch 😉 … Die Rasse war kurz vorm Aussterben und nun ist diese tolle, vielseitige und sehr robuste Rasse gerettet.

      Super, wobei 60-80 Sorten „nur“ ein kleiner Ausschnitt aller Sorten sind:-) Wahnsinn, oder? LG, Heidrun

    1. Oh ja, das stimmt! Habe ich erst am Wochenende wieder festgestellt, als ich die kleinen roten Äpfel zu rosa Apfelmus gekocht habe, ganz zart rosig haben sie geduftet. Rosa-rot also im doppelten Sinne 😉 LG, Heidrun

    1. Hallo Alexander,

      vielen Dank für deinen Kommentar und den Tipp für das Apfelbuch. Am Wochenende wird es auch ein Update zu meinem Beitrag geben, u.a. mit weiteren Tipps, Links usw. – da nehme ich das Apfelbuch gerne mit auf.

      Apfelige 😉 Grüße,
      Heidrun

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